Farbabtausch

Herbstmatt und Winterweiß ermüden auf Dauer die Augen. Doch die Farben liegen in uns, nicht in den Dingen. Glück kennt keine Jahreszeit.

Herbstblues, Winterdepression, Wetterfühligkeit – Traurigkeit kennt viele Namen. Wenn die Tage kürzer werden und die Nacht sich früher über den Himmel legt, dann gelingt es oft nur schwer die eigene Sicht mit Licht zu fluten. Im Dunkeln sieht man keine Farben. Stirbt dem Herbst dann auch noch die Leuchtkraft weg, verfallen wir nicht selten in Mattgrau und Melancholie, in dieses müde Stillsein von Innen.

Und auch der Winter, dieser kühle Geist, kennt kein Erbarmen. Wenn totes Mattherbst tönernem Monochromweiß weicht, dann gefrieren selbst die letzten Farbtupfer der Natur und man sucht vergeblich nach diesem bisschen Bunt im Alltagsgrau.

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Doch was wir vergessen, ist, dass die Farben in uns leben, nicht in den Dingen
. Egal wie sehr die Zeit auch versuchen mag unsere Welt zu trüben, die Erinnerung an Rot, Gelb, Blau und Grün kann uns niemand nehmen. Und Licht sieht man selbst durch verschlossene Augen. Vielleicht kann der Wandel uns also die Farben nehmen. Doch die Entscheidung, ob wir uns bis zu ihrer Wiederkehr mit Warten begnügen oder uns stattdessen die Zeit mit einem Kaleidoskop vertreiben, liegt bei uns. Wenn die Farben also abblättern, dann behaltet euch ihr Licht im Innern. Wir Menschen sind bunte Wesen. Wusstet ihr, dass Herzen rot sind?

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„Der Herbst, er stirbt, er bricht im Licht,
das Blatt, es will berühren.
Doch fremder Moder rührt mich nicht,
ich kann mich selbst verführen.

Im Angesicht von Matt und Mau erliegt der Mensch dem Schauder,
und Herbstlaub, Braun und Grau in Grau bemalt sich welk und tot.
Doch durch mein Aug bewahrt sich selbst das Schwarz noch seinen Zauber,
denn in mir drin, ein Farbkontrast, mein Herz, es schlägt in Rot.“

Rafaela Carmen Scharf

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